'A Bag Full of Screen Printing'

01.12.2013 11:51

Zur Zeit bereits überrannt mit einer beinah unzähligen Reihe an Aufgaben & Erledigungen, muss ich wohl eher ein wenig erschrocken gewirkt haben, als Elisabeth in mein Zimmer geschlendert kam, Worte weitere Forderungen auf ihren Lippen.

Ich war der Erste aus einer kleinen Gruppe von Freunden, welche ihren sozialen Verbund über die wundervollen & sorglosen Tage der Gymnasialzeit hinaus aufrecht erhalten konnte, dessen Interesse vom Siebdruckverfahren geweckt wurde. Einige introvertierte Wochen verstrichen, ich machte mich mit den grundlegenden Mechanismen vertraut. Eine Weile dauerte es, doch schließlich wurden meine Kumpanen neugierig darüber, „was er wohl Tag & Nacht, eingeschlossen in seiner Werkstatt, tun könnte“. Also erklärte ich es ihnen … Nun besteht unser Team im Kern aus drei, sehr enthusiastischen Jungspunden, darauf aus, Rakel & Rahmen so oft wie möglich in die Hände zu bekommen. Mehr & mehr sprudelnd die Ideen für eigens angefertigte Kunstwerke, die Handarbeit bleibt faszinierend und ihre Resultate erhalten die Motivation aufrecht.

Diese Anfänge liegen mehrere Wochen & Monate zurück. Das Leben forderte & fordert seine Tribute, was die nachvollziehbarste Erklärung dafür zu sein scheint, dass doch oft nur wenig Zeit für die Dinge sind, die wir im Inneren tatsächlich von uns verlangen. Aber im schnellen Rausch der Zeit, der unsern jungen Alltag im Moment beherrscht, gelingt es uns hoffentlich, den Weg in Richtung unsrer viel zu hohen Erwartungen zu ebnen. Ich schweife ab, sich beschweren ist nie besonders hilfreich gewesen.

Also, Elli (oder Elisabeth), das junge Mädchen mit den, höchstwahrscheinlich aufgrund unnatürlicher Umstände, rot strahlenden Haaren & dem schüchternen Ausdruck auf dem Gesicht, ist & war ein konstanter Bestandteil der ganzen Unternehmung – sowohl aufgrund der Tatsache, dass wir gemeinsam leben, als auch dank ihrer viel zu neugierigen Einstellung. Nun kommt sie in mein Arbeitszimmer gelaufen, im Bewusstsein, wie Arbeitsreich die vergangenen & kommenden Wochen bereits waren & sein werden (wir sind zur Zeit im lokalen Werk eines großen Automobil-Herstellers angestellt, um über den Sommer einen kleinen Teil des deutschen Wirtschaftswachstums abgreifen zu können – was im Klartext 8-Stunden Schichten, gefühlt mit leicht vergewaltigender, körperlicher Arbeit, bedeutet), und verlangt. „Weißt du, was ich gern hätte?“ beginnt sie ihre offensichtliche Aufforderung „Eine von diesen Schultertaschen, die das junge Volk überall mit sich herumträgt.


“ Natürlich weiß ich, wovon sie spricht. Den stylischen Aspekt der im ganzen Land so verbreiteten Jute-Beuteln nicht verneinend, stimme ich der Nachfrage zu: „Dann lass uns dir eine drucken.“ Bald schon werden wir nämlich zu alt sein, um uns solch modischen Luxus zugänglich zu machen.
Hand in Hand gehend mit dem handwerklichen & unabhängigen Prozess des Herstellens eines Siebdruck-Produktes, soll ihr Beutel am Ende repräsentativ für diesen individualistischen Geist sein. Den industriellen Unternehmen zum Trotz, wird sie unseren illusionären Glauben an die Fähigkeit, der massenproduzierten westlichen Gesellschaft mit Kreativität & schöpferischer Ambition entgegentreten zu können, um ihre Schulter hängen haben. Mit dieser Idee im Hinterkopf nehme ich mir zwei Nachmittage meiner Zeit, um ein Design für den Druck zu entwerfen. Ein ästhetisch interessantes Motive, angesiedelt irgendwo zwischen einem Logo & Kunstwerken der vergangenen Wochen, ist das Ergebnis.

Rasch ist der Rahmen gebaut (ein leerer Keilrahmen mit einem Siebdruckstoff von geringerer Stärke, 80T, bespannt) und wir belichten ihn mit der digitalen Version meiner Zeichnung. Am nächsten Tag schaffen wir es, einen blanken Beutel zu organisieren (NATÜRLICH aus organischer Fabrikation … nein, ich habe keine Ahnung, ob organischer Stoff oder nicht – aber günstig war er). Jetzt bleibt nur noch das Drucken des Designs auf dem groben Textil, und Elli kann sich mit ihrem neuen Accessoires auf die Straße wagen.