Der Siebdruck / Serigrafie als Kunstdrucktechnik

04.06.2014 10:13

Der Siebdruckrahmen wird vorsichtig angehoben, man kann hören, wie Papier und Siebstoff in einer Expolsion gestalterischer Macht den finalen Kontakt zu einander verlieren. Und dann sieht man es vor sich: den soeben hergestellten Druck, die Serigraphie. Sie ist eigenhändig entstanden, nicht in einer großen Druckerei dutzend Mal vom Band geliefert, sondern in einem eigens initiierten, künstlerischen Prozess. Und daher von eben einem solchen künstlerischen Wert, der aus dem Druck mit vollkommener Berechtigung ein Kunstwerk macht... Wovon ich hier rede & reden möchte, ist die Verwendung der Siebdrucktechnik, wie ihr sie kennt, zur Anfertigung von Kunstdrucken. Hierbei erweitert sich die inhaltliche Methode des Druckens. Aus einer bloßen Technik des Vervielfältigens wird ein essentieller Teil des Erschaffens eines Kunstwerks. Aber auch zur Umwandlung bzw. Übertragung von jeder Art Grafik auf das Medium Papier eignet sich der Siebdruck. Die direkte künstlerische Intention kann später kommen.

Aus meinen Erfahrungen & Erlebnissen beim und nach dem Drucken kristallisierte sich schnell heraus, wieso der Siebdruck nicht nur auf den Textilien aber vielleicht noch mehr auf dem Papier enormes Potential hat. Es gibt mehrere, verbreitet Drucktechniken, die neben dem digitalen Druck als Ausgangspunkt für graphisch arbeitende Künstler stehen. Holzschnitt & Kupferstich sind seit sehr langer Zeit schon etabliert. Und auch sie übersteigen in ihrer Authentizität und Qualität des fertigen Drucks das simple, elektronisch gesteuerte Verfahren. Ich war nach meinem ersten, erfolgreichen Versuch, den Siebdruck auf das Papier zu bringen, überzeugt. Die bloße Betrachtung brachte mir die faszinierende Einsicht. Das Auge schweift über das ins Papier eingezogene Schwarz und schnell kontrastieren sich starke, tiefe Farbfelder von kleinen, filigranen Linien, die sich durch ihre vereinzelte Unvollkommenheit auszeichnen. An einigen Stellen sind sie gebrochen oder blass; nicht genug Farbe ist durch das Sieb gedrückt worden. Aber speziell diese Merkmale des Drucken zeichnen das fertig Bild aus, machen es zu mehr als nur einem Abzug einer digitalen Komposition.

Doch auf der digitalen Ebene findet ein ebenso wichtiger, erster Schritt statt. Hier wandle ich Skizzen und Zeichnungen über Adobe's brillantes Illustrator-Programm in mehr oder weniger aufwendiger Arbeit in digitale Outlines um. Im direkten Anschluss befindet man sich jedoch schon beim Siebdruck. Was sich pixelartig noch auf dem Bildschirm und in Schaltkreisen versteckt, soll auf das Sieb. Zur Verfügung stehen mir DIN A4 & A3 Folien für den Tintenstrahldrucker. Mein Motiv schwebt dimensional zwischen DIN A3 & A2. Und hier arbeite ich noch mit einer sehr suboptimalen Lösung für das Problem des fehlenden A3-Druckers.

Das Motiv wird digital auf 4 einzelne, A4 große ( 210 x 297 mm ) Dokumente verteilt und dann werden diese auf Folie gedruckt. Präzise muss die Hand sein, wenn nun die Viertel des Motivs ausgeschnitten & aneinander geklebt werden. Dabei offenbaren sich die Gründe für die Mängel dieser provisorischen Lösung. Ein absolut exaktes Montieren der Folien ist sehr schwierig, gelingt teilweise.Sichtbare Kante nach dem Druck, an der die Folien aneinander montiert worden sind Im späteren Druck sind eventuelle Ungenauigkeiten sichtbar, was aber den Gesamteindruck nicht zerstört. Ein größeres Problem entsteht bei der Belichtung der Klebestellen. Um das Kleben zu erleichtern, wurden an einigen Kanten der Folien Ränder gelassen, d.h. das Motiv wurde nicht exakt ausgeschnitten. Diese Ränder überlappen anschließend die benachbarte(n) Folie(n). Bei der Bestrahlung mit UV-Licht hat dies zur Folge, dass weniger Licht auf die Emulsion trifft, welche sich direkt unter den überlappenden Klebekanten befindet. Auch vorsichtigstes Auswaschen kann später nicht vermeiden, dass an diesen Stellen die Beschichtung Schaden nimmt. Das Resultat: Fehlerhafter Farbauftrag beim Drucken.
Diese Stellen müssen später mit dem Pinsel & von Hand retuschiert werden, was jedoch einen durchaus hinzunehmenden Kompromiss darstellt, da noch keine Alternative in Sicht ist. Insgesamt erweisen sich unsere geklebten Folien als gut verarbeit-bar. Sowohl Belichtung als auch das Auswaschen gehen ungehalten leicht von der Hand.

Der fesselnde Moment, in welchem sich bestrahlte und unbehandelte Emulsion unter dem Einwirken von Wasser trennen, lässt ein erstes Urteil über den Erfolg ( oder dessen Gegenteil ) der Belichtung zu. Der Rahmen wurde zuvor von beiden Seiten ausgeglichen, gleichmäßig mit Emulsion beschichtet. Die Erfahrung vieler früherer Beschichtungen trägt ungemein zum sauberen Ergebnis bei. Das Auswaschen bedarf dank des soliden, gut gehärteten ( 7 Minuten Belichtung mit 500W Halogen) Emulsionsüberzugs und der im Kontrast stehenden unbelichteten Bereiche kaum physischen Druck. Bei geringem Wasserstrahl und rotatorischen Bewegungen mit einem weichen Schwamm zerfällt das Gewebe, die Schönheit des eingebrannten Motivs entwickelt sich.

Die prekärsten Entscheidungen, welche während des Auswaschens des Motivs getroffen werden müssen, betreffen die Frage, wie lange und intensiv gewaschen werden muss. Eine zu lang andauernde Behandlung des fertigen Rahmens kann der Emulsion schaden. Mit einem kleinen Pinsel werden die letzten Reste entfernt. Die Abbildung im Sieb wirkt perfekt.

Über Nacht wird der Rahmen zum Trocknen in unsrem gut belüfteten Lagerraum abgestellt. Der finale Schritt zum Kunstdruck ist in greifbarer Nähe. Nun müssen per Farbauftrag und gleichmäßiger Bewegung des Rakels die Formen im Papier verewigt werden. Die verwendeten Bögen sind aus einem speziellen Material; ein geschöpftes, dickes Papier (280g/qm), das normalerweise beim Kupferstich zum Einsatz kommt. Es nimmt Farbe mit visuell überzeugender Intensität auf und sorgt damit für klare, solide Farbverläufe.

Mit Hilfe von nur leicht haftendem Klebeband ist das Papier auf dem Drucktisch fixiert. Direkt nach dem Farbüberzug muss der Rahmen wieder vom Papier abgehoben werden, um zu verhindern, dass die Holzfaser noch mehr Flüssigkeit aus dem Siebgewebe aufsaugen und es zu verlaufenen Konturen kommt. Mit ausreichend Druck pressen wir den Rahmen auf die zu bedruckende Oberfläche. Dann ist der Vorgang des Rakelns schnell abgeschlossen und der fertige Druck kann analysiert werden. Die Linien sind sauber, keine Flecken sind zu erkennen. Mit Ausnahme der bereits bedauerten Klebekanten der Folien ist ein perfekter Druck gelungen. Nun kann dem Ganzen der letzte Schliff verliehen werden, indem das Motiv sauber mit einem Rand aus dem großen Druckbogen ausgeschnitten wird.

Materialbedarf: 

Für Serigrafien / den Siebdruck auf Papier werden etwas andere Materialien benötigt, als für den Druck auf T-Shirts. So muss hier ein feines Gewebe gewählt werden (ab 90T).

1. Siebdruckrahmen A3 mit 90T Gewebe
2. Siebdruckrakel DIN A3
3. Beschichtungsrinne A3
4. Fotoemulsion Easy Blue
5. Siebdruckfarbe SDLPRO
6. Entschichter gebrauchsfertig
7. Bio Siebreiniger für SDLPRO Siebdruckfarben
8. Belichtungslampe 500 Watt
9. Folien für Tintenstrahl- oder Laserdrucker
10. Siebklebeband zum Abkleben der Siebränder
11. Holzspatel
12. Acrylglasplatte

13. Siebschwingen (Halterungen für Siebdruckrahmen)

Dein Papier :-)