„Pimp your Jeans“ - Siebdruck Tutorial von Jutta Hellbach

07.01.2014 10:00

Vor einiger Zeit bestellte ich mir im Netz ein einfaches Denim Jeanskleid. Form und Schnitt gefielen mir ganz gut, nur das einfache Denim-Blau war nicht so mein Ding, irgendwie wars alles in allem zu „unscheinbar“.

So entschloss ich mich, das Kleid erst einmal umzufärben. Dieses Vorhaben stellte sich schwieriger dar als gedacht, denn Denim Jeans ist ein recht robuster Stoff mit spezieller Farbgebung und lässt sich beispielsweise, so wie ich es vorhatte, gar nicht in schwarz umfärben. So kaufte ich Simplicol Stofffarbe zum Färben in der Waschmaschine. Aus schwarzer Farbe wurde das Kleid erstmal uni dunkelblau „hilfe!“, dann packte ich Entfärber in den nächsten Waschgang um das Kleidungsstück wieder aufzuhellen und färbte es anschliessend in ein „Aubergine“ um. Hiermit konnte ich leben.



Als ich das Kleid zum erstenmal im Onlineshop sah, hatte ich sofort vor Augen (übrigens, wie ganz oft), wie es im fertigen Zustand ausstehen könnte. Bei einem der vielen Lizenzfreien Bildanbieter im Netz suchte ich dann nach passenden Buchstaben zum Drucken. Hier fand ich eine coole Schrift im Grunge Stil, kaufte die Buchstaben „D – R – E – S und ein !“ und druckte sie jeweils auf einen A4 Bogen Overheadfolie auf. Da mein Laserdrucker nicht der stärkste ist, drucke ich grundsätzlich jedes Motiv doppelt aus und schichte es zum Belichten exakt übereinander.

Anschliessend nahm ich auf den A3 Siebdruckrahmen vom Siebdruckland Maß und versuchte die Flächen optimal zu nutzen und beschichtete dann nacheinander 3 grosse Siebe. Da es bei mir, wenn ich einmal am Werkeln bin, Schlag auf Schlag gehen soll und ich nur die dringensden Wartezeiten für Werkstoffe in Kauf nehme, föhnte ich die Siebe trocken und belichtete anschliessend alle Motive. Danach wusch ich sie aus, trocknete und föhnte erneut und schon konnte ich mit dem Drucken loslegen.

Im Vorfeld suchte ich zum auberginefarbenen Ton des Kleides ein paar Farben heraus. Ich wählte aus den wasserbasierten Siebdruckfarben vom Siebdruckland das Opaque Weiss, das Silber das ebenfalls opaque wirkt, ein Lilia, das Schwarz und das Pink.

Um eine vernünftige Druckunterlage zu haben, schob ich eine 1 cm dicke Acrylglasplatte zwischen die Vorder- und Rückseite des Kleides.

Wie die Drucke über die dicken plastischen Jeansnähte funktionieren sollten konnte ich nicht voraussehen, doch ist es ja gerade auch das Spannende an diesem Arbeiten. Und um eine vernünftige Motivaufteilung auf der relativ kleinen Fläche des Kleides zu gewährleisten, spielte ich vorab mit den bedruckten Overheadfolien auf dem Stoff herum, bis ich die endgültige Position der jeweiligen Drucke gefunden hatte. Hiervon machte ich dann ein Foto – sicherheitshalber.

Dann gings auch schon ans Drucken: das Sieb kam auf den Stoff zu liegen, und da ich keine in einer Farbe einheitlichen Drucke haben wollte, sondern einen gewissen multicolor-look trug ich die Farben in vielen kleinen Portionen auf das Siebgewebe auf.

Anschliessend zog ich die Farbe mit der Rakel über das Sieb und erhielt so den ersten spannenden Druck.

Faszinierend ist für mich beim Arbeiten immer das Unvorhersehbare – und das erreicht man genau mit diesen Farbmischungen. Ausserdem wird so jeder Buchstabe auf dem Kleid zum Monoprint.

Als dann die Drucke getrocknet waren, was übrigens weniger als eine Stunde dauerte , packte ich das Kleid noch unter die Nähmaschine. Da ich als Textilkunstfreak das Arbeiten mit Stoffen und Garnen liebe, ist meine Nähmaschine das Arbeitsgerät was fast tagtäglich zum Einsatz kommt. Um ein plastisches Stichbild zu erreichen, fädelte ich kurzerhand zweierlei Garne ein, ein schwarzes und ein violettes und beide wirkten dann tatsächlich ganz gut. So bekam jeder Buchstabe noch ein paar spezielle Konturen:

Tja und nun ist es fertig und gar nicht mehr so brav wie das Ursprungskleid im Denim Look.
Sicherlich habt Ihr auch ein paar Jeansklamotten im Schrank, die vielleicht etwas aus der Mode gekommen sind – und vielleicht konnte ich mit dieser Idee ein wenig ermutigen, mal zu Sieb und Farbe zu greifen und einer Jacke oder einer Hose einen neuen Look zu geben. Es müssen ja nicht unbedingt Buchstaben sein, die Spielwiese der Motive ist ja riesengross.

Viele Grüße,
Jutta