WATWHA: Siebdruck a la Wohngemeinschaft

09.12.2013 10:43

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Siebdruckwerkstatt zu starten? Gab es sowas schon an der Uni oder wart ihr die ersten?

Wir haben alle am Fachbereich Design der FH Dortmund studiert. Ein paar Leute von uns wollten in einem Keller eine kleine analoge Siebdruckwerkstatt hochziehen, für den Eigenbedarf,
weil das Verfahren uns schon lange begeistert hat. Dann gab es einen Wettbewerb der Fachhochschule: "Hochschule vor Ort in der Dortmunder Nordstadt",
das Projekt soll Studenten der FH dabei unterstützen Projekte umzusetzen und sich selbstständig zu machen. Wir haben daran teilgenommen, mit dem Konzept der offenen Druckwerkstatt, um vielen Menschen den Siebdruck nahezubringen und Kurse anbieten zu können. Wir haben dann die Förderung gewonnen und haben zu sechst die Werkstatt WATWHA gegründet.
Wir sind die erste offene, analoge Siebdruckwerkstatt in Dortmund.

Natürlich gab es auch hier schon immer Leute, die in ihrer Wohnung, oder ihrem Keller gedruckt haben, aber bisher gab es so eine Werkstatt wie unsere in Dortmund nicht. Seit ein paar Monaten haben wir aber den Eindruck, dass immer mehr Leute den Spaß an der Sache entdecken und in ihrem Atelier, oder ihrer Werkstatt eigene Druckexperimente machen und auch interessierte dazu einladen, das finden wir super und sehr unterstützenswert!


Wie seid ihr generell zum Siebdruck gekommen?

Siebdruck ist ein Handwerk in das man sich schnell verlieben kann. Der Vorgang des Druckens ist eigentlich unheimlich simpel und trotzdem hat das Druckergebnis letztlich eine erstaunlich komplexe visuelle Wirkung. Zudem kann man in kaum einem anderen Druckverfahren soviel Einfluss auf das Ergebnis nehmen, wie im Siebdruck. Nicht nur der Vorgang an sich und das Anmischen der Farbe sind eine tolle Sache, sondern auch der gestalterische Spielraum bei der Erstellung einer Vorlage ist groß und vielfältig. Wir hatten an der FH Dortmund die Möglichkeit eine analoge Siebdruckwerkstatt zu nutzen. Dort haben wir oft gedruckt oder einfach nur unsere Zeit verbracht und experimentiert. Inzwischen ist auch einer der Siebdrucktutoren aus dieser Zeit, Teil unserer Mannschaft geworden.

Wie organisiert ihr eure Werkstatt mit mehreren Leuten, wovon finanziert ihr Materialkosten? Teilt ihr alles oder gibt es eine gemeinsame Kasse? Wer kann/darf mitmachen?

Wir funktionieren ähnlich wie eine Wohngemeinschaft. Jeder zahlt einen Teil der Miete und die Materialien und Geräte erwirtschaften wir von dem Geld das wir über Druckaufträge oder Gestaltungsaufträge einnehmen, dazu kommt noch die Förderung aus dem Projekt der Fachhochschule Dortmund. Wir bieten jeden Donnerstag bedruckte Taschen und grafische Drucke zum Verkauf in unserem POP-UP-SHOP an. Leben können wir von dem Geld momentan nicht, aber zumindest ist immer wieder neue Farbe, eine Siebbespannung oder eine neue Anschaffung für die Werkstattausstattung drin. Wer Interesse hat bei uns einzusteigen, oder mitzumachen, kann sich im Prinzip natürlich immer bei uns melden. Wie bei einer WG gucken wir uns den Kandidaten natürlich vorher genau an ;) Momentan besteht unsere Gruppe aus sechs Personen und wir denken für mehr Personen ist die Werkstatt einfach momentan zu klein.

Siebdruck ist ja vor allem am Anfang mit vielen Hürden verbunden, nichts klappt auf Anhieb? Was waren bei euch Beispiele, wo es am
Anfang gehakt hat?

Wir hatten zu Beginn einfach wenig Erfahrung und auch nicht den Anspruch mit einer professionellen Siebdruckwerkstatt Großkunden abzufertigen. Unser erster Druckauftrag fand mit der Band "Parfum Brutal" statt. 200 T-Shirts und Taschen haben wir gemeinsam mit den Jungs, sogar mit Verlauf (!) bedruckt. Wir haben damals ein super Erfolgserlebnis gehabt
und auch neue Freunde gefunden! Das Konzept beinhaltet seitdem auch weiterhin, dass der Kunde nach Möglichkeit selbst am Druckvorgang teilnimmt. Klar gab es mal die ein oder andere Schwierigkeit. Wir haben deshalb auch am Anfang viel eigene Illustrationen gedruckt, einen Testworkshop gegeben und konnten so ein bischen üben. Manchmal ist eben die Farbe zu flüssig, das Sieb reisst und man muss erst den nächsten Auftrag abwarten bis man sich neue Siebe leisten kann, der Bedruckstoff lässt sich nicht richtig vom Vakuummechanismus
ansaugen und man merkt das erst wenn man die zweite passgenaue Schicht auf 50 Bögen drucken will. Alles Fehler aus denen man lernt. Viel mehr mussten wir einschätzen lernen welche Aufträge wir bearbeiten können und welche nicht. Es gab zum Beispiel einen Auftrag mit 500 Jutetaschen, die einfarbig bedruckt werden sollten. Die Werkstatt war nach einer arbeitsreichen Nacht voller Texitilien, die keinen Platz mehr im Trockenschrank hatten. Danach haben wir entschieden, dass eine Auflage von 200 Stück das höchste der Gefühle im Textildruck für unsere Möglichkeiten ist.Mehr ist mit einer analogen Ausrüstung nicht ohne einen abnorm hohen Arbeitsaufwand möglich. Das lohnt sich wirtschaftlich weder für uns, noch für den Kunden.
Wir sind aber ziemlich stolz auf die Ergebnisse, die wir inzwischen so hinbekommen haben ;)

Was produziert ihr? Für Wen?

Wir machen viel Textildruck für regionale und lokale Bands und haben auch schon bekanntere Kunden gehabt, wie Heimatdesign, Douglas...Es gab auch tatsächlich einmal ein Junggesellenabschieds-Tshirt, dass wir mit einer Truppe junger Männer bedruckt haben und Studenten der TU-Dortmund und aus dem Fachbereich Design der FH Dortmund drucken gemeinsam mit uns Semesterarbeiten, Plakate und Buchcover. Manchmal bekommen wir auch Gestaltungs- oder Illustrationsaufträge. Das freut uns dann natürlich sehr, denn wir sind alle ausgebildete Designer, oder Designstudenten! ;)Arbeiten aus unserer Werkstatt gibt es unter anderem inzwischen im Bookstore in der Kreuzstraße, bei Heimatdesign am hohen Wall und im Hey-Store an der Möllerbrücke in Dortmund zu kaufen.

Mit welchem Rahmen druckt ihr, welche Feinheit? Benutzt ihr sowohl Plastisol als auch Wasserfarbe?

Wir haben uns beim Aufbau der Werkstatt einen Vakuumtisch ersteigert. Dazu gabs direkt ne ganze Menge unbespannte Aluminiumrahmen in verschiedenen Größen.
Diese und andere Rahmen lassen wir immer wieder neu bespannen. Wir nutzen nur noch Aluminiumrahmen.Für feine Grafiken nutzen wir meist 120er Gewebe, für Plakate, also größere Flächen und den Textildruck eher Gewebe im 80er - Bereich. Wir drucken der Umwelt zuliebe mit Farben auf Wasserbasis und nutzen nach Möglichkeit auch statt Entfärber, ein herkömmliches Spülmittel um die Siebe von der Farbe zu befreien. Natürlich kommen wir um die Beschichtungsemulsion und den Entschichter nicht herum.
Allerdings gibt es auch da Möglichkeiten nicht zuviel Chemie zu verwenden, indem man zum Beispiel einfach sparsam mit den Materialien umgeht.

Wie enstehen eure Ideen? Teil eurer Seminare oder völlig unabhängig?

Jeder aus unserer Gruppe hat seine persönlichen gestalterischen Schwerpunkte und Stärken und fast jeder von uns hat schon einmal eine Seminaridee in der Werkstatt umgesetzt, einige haben die Werkstatt vor kurzem in ihre Bachelorarbeit mit einbezogen, oder setzen ihr eigenes kleines Illustrationsprojekt nebenbei um. Wir nutzen den Siebdruck als gestalterisches Mittel, aber es ist schwierig vom Material aus eine Idee zu entwickeln. Inhalt vor Umsetzung! Wenn man die Arbeit mit Sieb und Rakel gewohnt ist, kommen einem aber automatisch auch gestalterische Ideen, die sich gut im Siebdruck umsetzen lassen. Ein Beispiel ist da "ugly but fucking happy". Ein kleines eigenes Projekt von Pati aus unserer Truppe. Die Illustrationen hat sie schon vorher immer wieder gemacht, die Idee war also vorhanden, lässt sich aber super auf den Siebdruck anpassen.

Was hält die Unileitung davon? Gibt es Unterstützung (finanziell, Materialkosten) Oder müsst ihr euch um alles selbst kümmern?

Da wir Teil des Projekts "Hochschule vor Ort in der Dortmunder Nordstadt" sind und uns so auch ausserhalb der Werkstatt im Projekt engagieren, denke ich, dass die Unileitung ganz gut findet, was wir da im Norden der Stadt veranstalten ;) Wir haben von Seiten der Hochschule und im Fachbereich jedenfalls viel geistige und praktische Unterstützung erfahren und sind da vielen Menschen und Verantwortlichen aus dem Projekt und um das Projekt herum sehr dankbar!Wir bekommen eine finanzielle Förderung, allerdings muss man sagen, dass die Hilfe von Freunden, Verwandten und Bekannten, sowie die Unterstützung der Menschen, die unsere gestalterische Arbeit schätzen noch viel wichtiger für das Gelingen eines solchen Vorhabens ist, als alles Geld der Welt. Wir sind allen Förderern und Unterstützern, Freunden und Helfern in jedem Fall sehr dankbar!

Generell: Was bringt die Arbeit in einer Werkstatt für euch an Vorteilen (oder auch Hindernissen) bei der Umsetzung von Siebdruckerzegunissen?

Die Arbeit in einer Werkstatt ist natürlich je nach Ausstattung, Lage und Räumlichkeit in jedem Fall praktikabler als ein Sieb in einem gemütlichen Flur aufzubewahren, im heimischen Badezimmer oder Garten auszuwaschen und mit den, in der ganzen Wohnung trocknenden Druckerzeugnissen, die Mitbewohner, den Freund oder die Freundin zu nerven. Zudem ist ein externer Arbeitsplatz gut geeignet um sich voll auf das jeweilige Vorhaben konzentrieren zu können. Zwar ist keiner von uns hauptberuflich in der Werkstatt tätig, aber wenn wir dort arbeiten,
sind wir eben auch ganz da und nicht mit dem Kopf woanders. Natürlich wäre es auch logistisch schwierig einen Druckauftrag mit einer Band in der eigenen Wohnung zu veranstalten. Wir würden uns in Zukunft auch räumlich gerne vergrößern, damit wir mehr Platz für gestalterische Prozesse jeder Art haben und unsere Werkstatt auch gleichzeitig mit 6 bis zu 10 Personen nutzbar ist. Die Werkstatt ist aber auch einfach ein Ort, an dem wir uns treffen können um bei Musik ein Bier, nen Kaffee oder Tee zu trinken, ein bischen zu zeichnen etc.

Am 14.12. veranstalten das Team von WATWHA übrigens einen Weihnachtsmarkt:



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