T-Shirts für einen guten Zweck

03.09.2013 11:13

Kipepeo Clothing ist das Non-Profit T-Shirt Label von Martin Kluck. Unter seinem Label verkauft Martin T-Shirts mit Motiven, die direkt von Kindern in Tansania gezeichnet wurden. Bedruckt werden die T-Shirts dann von Martin und Helfern in Deutschland. Dabei werden nur Fairtrade T-Shirts mit Baumwolle aus Afrika verwendet. Die Erlöse kommen dann den Kindern in Tansania zugute, indem Martin diverse Schulprojekte direkt unterstützt. Wir hatten die Gelegenheit ein Interview mit Martin zu führen:

Wie kam es zu der Idee von Kipepeo clothing?

Im Jahr 2008 habe ich einige Monate als Grundschullehrer an der Mecsons Primary & Nursery School in Arusha, Tansania gearbeitet. Das war eine sehr intensive und bewegende, aber vor allem schöne Zeit für mich. Die Mecsons School wurde damals gerade frisch gegründet und bestand aus nur einem Schulgebäude. Zwei weitere Klassenräume befanden sich zu dieser Zeit noch im Bau. Ich überlegte wie ich auch als Student, mit geringen finanziellen Mitteln, die Schule weiterhin unterstützen konnte. Am Anfang dachte ich an ein herkömmliches Spendenprojekt,stellte aber bereits in Afrika die Nachhaltigkeit einer solchen Aktion in Frage, da der persönliche Bezug der potenziellen Spender zu einer Ihnen gänzlich unbekannten Schule in Tansania fehlte. Zudem wollte ich ein Projekt, das sich von anderen Projekten dahingehend unterscheidet, dass es nicht mit Mitleid für Afrika wirbt sondern die Lebensfreude und Einzigartigkeit der Kinder zum Ausdruck bringt. Wie die Idee zu Kipepeo letztendlich entstand folgt in einer der nächsten Antworten.​

Wie entstehen die Motive denn eigentlich?

Die ersten Motive „Love You & Lion“ waren beides Zeichnungen, die mir die Kinder damals in mein Tagebuch malten. Inzwischen entstehen die Zeichnungen im regulären Schulalltag. Wenn zum Beispiel in der Unterrichtsstunde "Science" (Naturwissenschaften) die Tiere der Serengeti besprochen werden, dann malen die Kinder Elefanten, Leoparden und Giraffen. Im Anschluss werden uns alle 3-4 Monate einige Zeichnungen per Post zugeschickt. Wir schauen welche Motive uns gefallen, scannen die Zeichnung ein, belichten einen Sieb und schon entsteht ein Kipepeo Shirt. Die Motive entstehen also nicht auf Zuruf sondern sind im Grunde Teil der jeweiligen Unterrichtsstunde. Natürlich bringen wir aber auch immer Motive nach unseren jährlichen Besuchen an der "Mecsons" und an der "Utukufu"- School mit nach Hause.

Trägt sich das Label selber? Wie finanziert ihr Herstellung der Motive?

Kipepeo ist komplett eigenfinanziert. Spannenderweise haben wir unser Non-Profit Unternehmen mit einer einmaligen Investition von 50 €, ein paar weißen T-Shirts und einer Transferpresse von Ebay gegründet. Das Ganze war vor nunmehr 3,5 Jahren, da haben wir die Shirts noch im Keller im Haus meiner Eltern auftragsbezogen bedruckt und die Etiketten selbst zusammengebastelt. Inzwischen ist natürlich noch alles immer Handarbeit. Aber Dank der Zweitplatzierung beim Stuttgarter Elevator Pitch 2012 (Gründerwettbewerb Baden-Württemberg) haben wir einen Preis gewonnen, der es uns ermöglicht hat auf den qualitativ hochwertigen Siebdruck umzusteigen. Bis Oktober 2012 haben wir unsere Shirts noch in unserer WG in Stuttgart bedruckt. Inzwischen haben wir aber ein kleines Büro gleich neben dem Siebdruckatelier unseres inzwischen guten Freundes Nig, der uns in seinem Atelier T-Shirts drucken lässt und unser Projekt tatkräftig unterstützt.

Was genau passiert mit dem Geld, wie wird der Gewinn eingesetzt?

Was am dringendsten benötigt wird, wissen die Leute vor Ort selbst am besten - in diesem Fall die Schulleiter unserer beiden Schulprojekte. Sobald neue Schulutensilien, Malaria Medikamente oder Schulgebühren benötigt werden, bekommen wir Bescheid und überweisen die Beträge, die wir bewerkstelligen können. Bei langfristigen Projekten wie z.B dem Bau des neuen Küchengebäudes an der Mecons School im Jahr 2011 haben wir einen Kostenvoranschlag erhalten und jeden Monat genügend Geld überwiesen um einen flüssigen Baufortschritt zu gewährleisten. Da wir selbst jedes Jahr für mehrere Wochen oder Monate in Arusha sind und mit vielen anderen kleinen Projekten vor Ort im Kontakt stehen, wissen wir genau was für Kosten auf uns zukommen und können so entsprechend kalkulieren. Dieses Jahr konnten wir für alle Schüler der Utukufu School ihre allerersten Schuluniformen kaufen, alle Plastiktische durch hochwertige Schulpulte ersetzen und Tafeln für die Klassenräume kaufen.

Gibt es ein Motiv von einem Kind mit einer besonderen Geschichte?

Die gibt es natürlich. Es ist auch gleichzeitig die Geschichte wie Kipepeo dann letztendlich entstanden ist. Als meine Zeit als Lehrer an der Mecsons School vorrüber war, schenkte mir die damals 7-jährige Abigail zum Abschied einen Liebesbrief der mit einer Zeichnung versehen war. Darauf war ein Männlein ohne Arme und Beine mit einem riesigen ballonförmigen Kopf zu sehen. Daneben die Worte „Love you“. Als ich nach Deutschland zurückkehrte, druckte ich mir diese Zeichnung auf ein einfaches, weißes Shirt um etwas bei mir zu tragen das mich an die vergangenen Monate erinnerte. Daraufhin wurde von Freunden und Bekannten, aber auch völlig Unbekannten, häufig die Frage gestellt was das eigentlich für ein merkwürdiges T-Shirt sei, das ich da trage. Daraufhin erzählte ich die Geschichte von Abigail. Ein paar Monate später stellte die gleiche Frage ein Barkeeper in Ischgl. Auch ihm erzählte ich die Geschichte und er meinte, er würde gerne das Shirt kaufen unter der Prämisse, dass ein Teil des Geldes der kleinen Künstlerin zu Gute kommt. Gesagt, getan und Kipepeo war geboren. Kipepeo bedeutet im übrigen „Schmetterling“ auf der Landessprache Swahili. Es war zudem das erste Wort, das mir eines der Kinder in mein Tagebuch schrieb, als ich beim Vokabellernen war. Die Schrift auf unserem Logo ist somit eigentlich auch ein Kipepeo Motiv, da auch sie 1:1 übernommen wurde.

Ihr druckt die Shirts alle selber. Wie seid ihr zum Siebdruck gekommen? War euer Aufentalt in Tansania der Anlass oder gab es schon davor Siebdruck-Projekte?

Angefangen haben wir mit Transferdruck aber durch den 2ten Platz beim Elevator Pitch in Stuttgart im Jahr 2012 hatten wir die Möglichkeit auf den qualitativ wesentlich hochwertigeren Siebdruck umzusatteln. Vor Kipepeo hatte keiner von uns Berührungspunkte mit Siebdruck oder anderen Techniken. Wir haben unsere ersten Gehversuche mit einem Siebdrucktisch mit Beleuchtungselement vom Siebdruckland gestartet. Wir haben im Flur unserer WG in Stuttgart unsere Siebe beschichtet und in der Dusche ausgewaschen. Die ersten Siebdruckshirts wurden bei uns auf dem Wohnzimmertisch gedruckt. Anschließend bekamen wir die Möglichkeit die Siebdruckwerkstatt in Stuttgart West zu nutzen und inzwischen drucken wir bei unserem Büronachbarn.

Ganz generelle Frage: Warum sollten Modelabel sich stärker für Schulen in Afrika engagieren, wie sollte das Engagement eurer Meinung nach aussehen?

Ich denke das lässt sich nicht pauschalisieren, aber generell ist es natürlich wichtig sich gerade in Ländern der Dritten Welt für Bildung einzusetzen, um den Kindern eine solide Schulbildung zu ermöglichen und Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Generell ist es natürlich ein schöner Gedanke wenn sich Unternehmen oder Privatpersonen für Projekte in Afrika einsetzen, aber verantwortliches, reflektiertes, wirtschaftliches Handeln muss natürlich die Voraussetzung dafür sein. Die Unterstützung muss an den richtigen Stellen erfolgen. Die Entscheidungen wie man Hilfe durch finanzielle Mittel oder persönlichen Einsatz leistet, muss vor Ort mit den Menschen, auf Augenhöhe besprochen werden. Oftmals wird meiner Meinung nach unterschätzt mit welchen vermeintlich kleinen Mitteln man bereits Großes verwirklichen kann. Eine weltoffene Geisteshaltung und ehrliches, aufrichtiges Interesse und Engagement bilden natürlich die Grundpfeiler für den langfristigen Erfolg einer solchen Unterstützung.